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Gedanken aus The Next Apocalypse – Chris Begley

Quelle: https://www.chrisbegley.com/nextapocalypsebook

Menschen sind von Natur aus kooperativ, fürsorglich, kreativ, lernbereit und flexibel. Darum erscheint es wenig sinnvoll, sich auf einen möglichen „Kollaps“ vorzubereiten, indem man nur individuelle Fertigkeiten trainiert oder seine kleine Peergroup mit Ausrüstung und Autarkieprojekten absichert. Medikamente z. B. selbst herzustellen oder komplette Energieautonomie zu erreichen, ist nicht nur unrealistisch, sondern auch unnötig.

Denn es gibt in jeder Gesellschaft unzählige Fachleute, die ihr Wissen und ihre Fähigkeiten auch nach einer Katastrophe einbringen werden. Und irgendwo werden sich immer materielle Ressourcen finden, die genutzt werden können. Entscheidend ist nicht, dass jede:r alles selbst kann und hat, sondern dass wir als Gemeinschaft darauf zugreifen und uns organisieren können.

Was im Ernstfall wirklich zählt, ist die Fähigkeit, Kommunikation und Kooperation zu ermöglichen. Das ist die wichtigste Überlebenskompetenz. Diese Einsicht hat sich mir beim Lesen des Buches The Next Apocalypse von Chris Begley besonders eingeprägt.

Deshalb fasse ich im Folgenden die Gedanken zusammen, die mir dafür wesentlich geworden sind:


Unsere Vorstellungen täuschen uns

Wie wir über die Zukunft nachdenken, beeinflusst, wie wir handeln. Doch unsere Vorstellungen von einer kommenden Apokalypse sind oft verzerrt. In Geschichten und Filmen sehen wir kleine Gruppen, die in eine primitive Einfachheit zurückfallen, Waffen tragen und in selbstgenügsamer Abgeschiedenheit überleben. Diese Fantasien haben wenig mit den realen Dynamiken von Katastrophen zu tun. Sie sind unterhaltsam und bequem, aber sie bereiten uns auf die falsche Katastrophe vor.

Tatsächlich werden Krisen nie so isoliert und plötzlich erlebt, wie wir sie uns ausmalen. Zusammenbrüche sind komplex, ziehen sich über Jahre oder Jahrzehnte hin und betreffen ganze Gesellschaften. Eine apokalyptische Realität wird keine Zeitmaschine in eine mythische Vergangenheit sein, nach der wir uns sehnen. Sie wird kein einfacheres, übersichtlicheres Leben bringen. Wir werden nicht weglaufen können. Wir werden bleiben müssen, und wir werden die Dinge in Ordnung bringen müssen.

Wahrscheinliche Entwicklungen

Es ist schwer vorherzusagen, wie ein gesellschaftlicher Zusammenbruch genau aussehen wird. Doch vieles deutet darauf hin, dass er nicht plötzlich hereinbricht, sondern längst begonnen hat: mit Umweltzerstörung, wachsenden sozialen Ungleichheiten und politischer Instabilität. Der Klimawandel ist der offensichtlichste Auslöser, doch er wirkt immer im Zusammenspiel mit wirtschaftlichen und politischen Krisen. So wie in der Vergangenheit der Niedergang eines Systems das nächste in Mitleidenschaft zog, wird es auch diesmal sein.

Die entscheidende Lektion: Es wird nicht wenige Überlebende geben, sondern sehr viele. Milliarden Menschen werden betroffen sein: hungrig, heimatlos oder verunsichert, aber lebendig. Das bedeutet: Wir werden nicht in kleinen Enklaven überleben können, die sich unabhängig durchschlagen. Wir werden in großen, chaotischen Gemeinschaften leben, die sich neu organisieren müssen.

Überleben heißt Zusammenarbeit

Die Vergangenheit lehrt uns, dass Menschen in Krisen neue Strukturen schaffen. Auch diesmal wird es so sein. Aber es wird nicht einfach. Wir werden uns vielleicht nicht wiedererkennen, wenn wir diesen Wandel durchlaufen haben.

Zwar können Überlebenstechniken in der Wildnis nützlich sein, doch sie reichen nicht aus. Entscheidend für das Bestehen werden andere Fähigkeiten sein: Einfühlungsvermögen, Großzügigkeit und Mut. Freundlichkeit und Fairness werden wertvoller sein als jede Technik. Soziale Fähigkeiten, Vertrauen, gemeinschaftliches Handeln und Organisationstalent werden ausschlaggebend sein.

Wir werden zusammenarbeiten müssen. Das bedeutet konkret: Nahrungsmittel anbauen, Wissen weitergeben, Kinder erziehen, Kranke versorgen und Menschen einen Grund geben, weiterzumachen. Die Bedürfnisse werden riesig sein, und wir können nicht davor weglaufen. Wir müssen lernen, die Not anzunehmen und sie gemeinsam zu lösen.

Gemeinschaft statt Isolation

Die entscheidende Illusion unserer Fantasien ist die Vorstellung, allein oder in kleinen Familiengruppen überleben zu können. In Wirklichkeit werden wir Teil größerer Gemeinschaften sein, mit allen Vorteilen und Spannungen, die das mit sich bringt.

Individuelle Anstrengungen reichen nicht. Menschen, die sich verweigern oder ausschließen, gefährden das Ganze. Überleben wird nur möglich sein, wenn wir alle einbeziehen können. „Alle müssen mit!“ Nur so können wir neue Strukturen aufbauen, die tragfähig sind. Menschen lernen schnell aber ihr Potenzial entfaltet sich erst in der Gemeinschaft.

Wer einen Grund hat, durchzuhalten – Familie, Hoffnung, Zugehörigkeit – wird stärker sein. Deshalb ist es so wichtig, Strukturen zu schaffen, die Sinn geben. Helden oder Einzelkämpfer werden unsere Probleme nicht lösen. Wir brauchen kollektive Verantwortung und Solidarität.

Anpassungsfähigkeit und Organisation

Krisen zwingen uns zu Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Manche Systeme brechen weg, doch anderes bleibt und entwickelt sich weiter. Resilienz zeigt sich darin, mit Veränderungen leben und Neues schaffen zu können.

Neben der Bereitschaft, sich zu verändern, brauchen wir auch die Fähigkeit, Kompetenz zu erkennen. Zu wissen, auf wen man hören sollte, welche Daten belastbar sind und welche Entscheidungen Vertrauen verdienen, ist entscheidend. Falsche Führung und schlechte Informationen können in einer Krise tödlich sein. Gute Kommunikation und Organisation dagegen kann Leben retten.

Die wirklich wichtige Vorbereitung wird nicht darin bestehen, persönliche Überlebensausrüstung zu besitzen, sondern darin, Strukturen und Gemeinschaften aufzubauen, die in der Lage sind, alle Menschen zu ernähren, unterzubringen, zu bilden und zu schützen. Die gerechte Verteilung von Ressourcen, der Schutz der Schwachen und das Teilen von Verantwortung – das sind die Grundlagen, ohne die keine Gesellschaft Bestand hat.

Eine andere Zukunft

Der bevorstehende Niedergang unserer industriellen Zivilisation wird tiefgreifend, schmerzhaft und herausfordernd sein. Wir werden große Verluste erleben, und vieles, was wir heute schätzen, wird verschwinden. Aber sie wird nicht nur eine Katastrophe sein. Wie in allen vergangenen Krisen werden Menschen Wege finden, sich neu zu organisieren.

Vielleicht eröffnet uns dieser Wandel sogar die Möglichkeit, Ungerechtigkeiten abzulegen und solidarischere Formen des Zusammenlebens zu entwickeln. Kunst, Kultur und gelebter Glaube werden nicht verschwinden, sondern neue Bedeutung gewinnen.

Was uns retten wird, sind nicht Einzelne, sondern Gemeinschaften. Nicht Ausrüstung oder Waffen, sondern Vertrauen, Fairness und Mitgefühl. Nur durch Kooperation und Organisation wird Überleben möglich sein.

So sieht Überleben aus.

Eine Rohversion mit (übersetzten) Markierungen aus dem Buch findet sich hier: Auszüge aus "Die nächste Apokalypse - Chris Begley"